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Frankfurt Universe – Ist nun Schluss mit der „Lila Brille“?

Ein Kommentar von Fynn-Jakob Nuss angesichts der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Frankfurt Universe am 10.11.2018


Das lila-orangene Team aus Frankfurt war das Thema der Saison. Knapp 14.000 Antworten im Frankfurt Universe Läster-Thread verdeutlichen, dass es genug Gesprächsstoff gab. Diesen Samstag steht die außerordentliche Mitgliederversammlung des Vereins an. Auf dieser soll beschlossen werden, wie es mit dem lila Football in Frankfurt weiter gehen wird.


Betrachten wir zu Beginn die Geschichte der Frankfurt Universe im Schnelldurchlauf.

Am 23.06.2007 verliert die damalige Frankfurt Galaxy gegen die Hamburg Sea Devils den Worldbowl mit 37:28 in der heimischen Commerzbank-Arena vor unglaublichen 48.125 Zuschauern. Im Vergleich zu den Zuschauerzahlen des German Bowl in diesem Jahr (15.213) wirkt diese Zahl utopisch. Doch der Worldbowl war keine Ausnahme, Frankfurt konnte über die gesamte Saison hinweg mit einem Zuschauerschnitt von knapp 33.000 glänzen. Nun wollen wir aber nicht den alten glorreichen Zeiten nachtrauern, sondern mit der Entstehung der Frankfurt Universe weitermachen. Ende Juni 2007 wurde die NFL Europa aufgelöst und die NFL wollte sich ab diesem Zeitpunkt auf die „International Series“ fixieren. Die Frustration bei vielen Fans war groß, doch 13 Fans mit lila Blut in den Adern wollten den lila Football aufrechterhalten und gründeten deshalb den AFC Universe Frankfurt e.V. Mit der Leidenschaft der Frankfurter Fans stieg das Team von Liga zu Liga auf und erreichte 2012 die GFL2. Im Juni 2014 entschieden die Mitglieder dann die erste Mannschaft in die FFB-Frankfurter Football Betriebs GmbH & Co. KG unter der Leitung des Unternehmers Matthias Mämpel auszugliedern. In der Saison 2015 nahm das Team dann unter dem Namen „Galaxy Frankfurt by Universe“ am Spielbetrieb teil. Da u. a. die Rechte des Namens „Frankfurt Galaxy“ noch bei der NFL lagen wurde am 28.10.2015 der Vertrag mit der Betriebs GmbH aufgekündigt und die FUB- Frankfurt Universe Betriebs GmbH gegründet. Dies hatte weitreichende Auswirkungen zur Folge, welche immer noch gerichtlich geklärt werden. 2016 folgte dann der Aufstieg in die GFL und somit die Rückkehr eines Frankfurter Teams in das deutsche Oberhaus seit den Frankfurter Löwen. Sportlich entwickelten sich die Frankfurter zwischen 2016 und 2018 stetig. In den ersten zwei GFL Saisons musste man sich nur den New Yorker Lions und den Schwäbisch Hall Unicorns geschlagen geben. Im Halbfinale 2018 schaffte man es nun endlich auch an Braunschweig – wenn auch nur knapp – vorbeizuziehen und im German Bowl verlor man nur wegen einem verschossenen Field Goal in letzter Sekunde gegen die Unicorns.


Fotocredit: C-Sportpics

Auf geschäftlicher Seite konnte man jedoch leider nicht mithalten. Es wirkte bis zum Ende der Saison 2017 nach außen alles perfekt: ein passendes Stadion, gelungene Power Partys, mit Samsung konnte ein namenhaften Sponsor gewonnen werden und der Zuschauerschnitt war mit 4100 Top-Wert der GFL. Doch dann änderte sich mit dem FAZ Beitrag „Kurz vor dem Crash“ alles. Die Pleite stand bevor.


Spekulationen brachen aus, doch es wurde stets vermittelt, dass sich alles fangen wird. Es wurde sogar wie geplant mit Dauerkartenverkauf begonnen. Doch kurz darauf war die FUB pleite. Ab diesem Zeitpunkt überschlugen sich die Ereignisse: Der Vertrag mit der FUB wurde gekündigt, ein Insolvenzverwalter eingesetzt, ein neuer Vertrag mit der FUB geschlossen und so weiter und so weiter. Wer jedes Detail der Entwicklungen nachvollziehen möchte, den verweise ich an dieser Stelle auf die 956 Seiten im Football-Forum. Fakt ist, dass durch die massive Misswirtschaft ein Schuldenberg von 1,7 Millionen Euro in 3 Jahren bei einem Etat von ca. 900.000 Euro jährlich angehäuft wurde.

Kommen wir nun zu den verschiedenen Protagonisten der Saison 2018:


Die Spieler, Coaches und der Staff


Diese Gruppe kann nichts für die wirtschaftlichen Fehler des Managements und es ist ihnen hoch anzurechnen, dass sie sich nicht von den wirtschaftlichen Turbulenzen haben irritieren lassen und trotzdem ihren Job gemacht haben. Ein Beispiel gefällig? Es ist absolut nicht selbstverständlich, dass ein Team vor einem Auswärtsspiel in Amsterdam, bei dem gar nicht feststeht, ob es finanziell zu stemmen ist, trotzdem diszipliniert trainiert und sich vorbereitet.


Generell muss man sagen, dass es sich um ein außergewöhnliches Team handelte. Zwar sind Importspieler aus den USA und Europa in der USA Standard, jedoch haben die Frankfurter dies nochmal auf ein neues Level der Professionalität gebracht. Quarterback Steve Cluley reiste trotz der unsicheren Situation bereits Mitte März nach Frankfurt, wohnte alleine im noch mitten in der Renovierungsphase steckenden Universe Haus, was man für alle 13 Importspieler eigens anmietete. Hier steckten die vielen Universe Fans hunderte Stunden an ehrenamtlicher Arbeit und private Gelder rein, damit alles rechtzeitig fertig wurde. Auch nach seinem Kreuzbandriss früh in der Saison, blieb Cluley in Frankfurt und arbeitete akribisch in der Reha an seiner Rückkehr. Manche haben dieses Team als Söldnertruppe bezeichnet. Ich bezeichne es als ein hochklassiges Team, das gezeigt hat wie professioneller Football in Deutschland aussehen kann. Dennoch muss man an dem Team auch Kritik üben. Ja das Team kann nichts für die Fehler des Managements und hätte es nach all den Strapazen verdient den German Bowl zu gewinnen, jedoch darf man auch nicht vergessen, dass das Team in dieser Konstellation nicht bezahlbar war. Deshalb stimme ich hier Jörg Dressler von den Dresden Monarchs zu, dass kein Team deutscher Meister werden darf, welches gar nicht finanzierbar war und wovon ein Großteil während der Saison vom Arbeitsamt bezahlt wurde.


Die Fans


Über die Universe Fans gibt es in Deutschland verschiedene Meinungen. Die einen bewundern ihre Aufopferung für den Verein. Die Anderen werfen ihnen vor durch eine „Lila Brille“ zu schauen und zu viel an Zeit und Geld in den Verein zu investieren. Ich persönlich habe größten Respekt vor den Fans. Sie haben das Auswärtsspiel nach Amsterdam finanziert. Sie haben während der Saison durch die „Kriegskasse“ versucht Geld für das Team zu verdienen. Bei der Crowdfunding-Aktion kamen ebenfalls 15.000 Euro zusammen. Sie haben eigenständig das Tailgating organisiert und sie haben ihr Team tatkräftig beim German Bowl in Berlin unterstützt. Welches Team wünscht sich nicht solche Fans?


Dennoch darf man nicht vergessen, dass durch die gesamten Vorkommnisse und den Verkauf der ungültigen Dauerkarten auch viele lila Fans vergrault wurden. Dies zeigt sich deutlich am Vergleich der Zuschauerschnitte von 2017 (ca. 4100) und 2018 (ca. 1850). Es bleibt abzuwarten, wie und ob das neue Management das Vertrauen der alten verärgerten Fans zurückgewinnen kann.


Der Vorstand


Zum Vorstand braucht man nicht viel sagen, außer, dass er seiner Kontrollfunktion in keinster Weise nachgekommen ist. Es ist ein Rätsel, wie es möglich sein soll, dass die FUB über 3 Jahre 1,5 Millionen Euro Schulden aufbaut und der Vorstand dies anscheinend nicht mitbekommt. Veränderungen im Vorstand sind bei den Wahlen sehr wahrscheinlich, da die zwei größten Mitgliederbündnisse „KickOff19“ und „#backtothefans“ sich bereits auf einige gemeinsame Kandidaten geeinigt haben.


Die FUB


Der Schuldenberg von 1,7 Millionen Euro in 3 Jahren bei einem Etat von 900.000 Euro spricht für sich. Eine einfache Lösung um die Verschuldung zu umgehen, wäre die allseits bekannte Regel „Man soll nicht mehr Geld ausgeben als man hat“ gewesen. Zwar konnte die Frankfurt Universe mit dem einzigartigen Format „Purple Talk“, dem „Purple Train“ zum Auswärtsspiel nach Schwäbisch Hall, oder Volker Schenk als Stadionsprecher überzeugen. Wenn man es sich jedoch nicht leisten kann, ist dies ein Luxus auf den man hätte verzichten müssen. Ein weiterer Kritikpunkt war die mangelnde Transparenz und Reue. Informationen wurden offiziell nur selten nach Außen weitergegeben und anstatt nach Verletzung des Starting QBs Zurückhaltung zu üben und mit Sonny Weishaupt, der einer der talentiertesten Deutschen Quarterbacks ist, weiterzuspielen, wurde ein neuer QB aus den USA geholt. Dieser kostete zwar nicht mehr Geld, außer den Flugtickets, jedoch wäre es ein versöhnlicheres Zeichen gegenüber den anderen Teams gewesen auf ihn zu verzichten.

Auch der Betriebsgesellschaft stehen unvermeidliche Veränderungen bevor. Da der vorherige Geschäftsführer in der Außendarstellung schon lange nicht mehr tragbar ist, möchten sowohl „KickOff 19“ als auch „#backtothefans“ einen neuen einsetzen, konnten sich hierbei jedoch noch nicht auf eine gemeinsame Personalie einigen. Für „#backtothefans“ tritt Tilman Engel an, welcher bereits für die Frankfurt Galaxy als Geschäftsführer aktiv war. Er soll jedoch keine Dauerlösung sein, sondern innerhalb von zwei Jahren einen neuen Geschäftsführer aufbauen. Für Kickoff 19 ist u.a. Daniel Zeidler im Gespräch, welcher in den 90ern bereits bei den Frankfurt Gamblers und Rhein Main Razorbacks aktiv war. Ansonsten setzt sich die Gruppierung aus Fans und Helfern von Universe zusammen. Ebenfalls uneinig sind sich die Bündnisse bei der Frage, ob es besser ist eine neue Betriebsgesellschaft zu gründen und somit komplett von vorne anzufangen, oder mit der bisherigen fortzufahren und lediglich personelle Veränderungen vorzunehmen.


Der AFVD - American Football Verband Deutschland


Ebenfalls spannend im Fall Frankfurt Universe ist die Rolle des AFVDs. Frankfurt und Braunschweig qualifizierten sich in der BIG6 (4?) für den Eurobowl. Aufgrund des hervorragenden Zuschauerschnitt von knapp 7700 Zuschauern im Jahr 2017 wollte der AFVD wohl anscheinend unbedingt wieder den Eurobowl in Frankfurt ausrichten. Da die Frankfurt Universe, jedoch nicht in der Lage war den Eurobowl selbst zu finanzieren, wurde das Event durch die Veranstaltungsgesellschaft des AFVDs ausgetragen. Die Erwartungen wurden jedoch nicht erfüllt und es kamen lediglich 3122 Zuschauer. Doch auch das Fehlverhalten von Frankfurt Universe blieb nicht unbestraft. Der AFVD reagierte auf die Insolvenz und die Fehler in den Jahren 2016/2017 mit einem Punktabzug und einer Geldstrafe. Uwe Talke erklärte in einem Interview gegenüber RedZone Pure American Football, dass das Strafmaß von 4 Punkten bereits 2015 festgelegt wurde, sollte es in den Jahren 2016/2017 zu Verstößen gegen die Auflagen kommen. Die Geldstrafe, welche laut Herr Talke „die bisher die Höchste ist, die wir bis jetzt im AFVD hatten“, wurde als Reaktion auf die Insolvenz in diesem Jahr verhängt. Worin der Sinn liegt, einem bereits insolventen Team noch eine hohe Geldstrafe aufzuerlegen kann man nicht verstehen. Um zukünftig ähnlichen Fälle vorzubeugen, wurde auf der Versammlung der Bundesligisten am 14.10.2018 eine Änderung im Lizenzstatut bei der Wirtschaftlichkeitsprüfung von Betriebsgesellschaften von Lizenzvereinen vorgenommen. Wie diese Änderung genau aussieht wurde, wie so oft beim AFVD, nicht kommuniziert. Sollte es trotz der Änderungen, dennoch zu einem solchen Fall kommen, wird ein Strafkatalog benötigt, in dem das Strafmaß exakt festgeschrieben steht.


Kommen wir nun zu meinem Fazit. Ist alles schlecht an der Frankfurt Universe? Nein sicherlich nicht! Frankfurt hat gezeigt, dass man in der GFL mit einem ansprechenden Rahmenprogramm, einem geeigneten Stadion, einem professionellen Team und einer guten Atmosphäre viele Fans in die Stadien locken kann. Es bleibt also zu hoffen, dass es nun nach der aoMV wieder bergauf mit der Frankfurt Universe geht!

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