• Christian Schärtl

American Football bei der Bundeswehr

Aktualisiert: 23. Dez 2018

Wir haben ja bereits über Hochschulfootball berichtet. Und da wir überzeugt sind, dass dies eine Chance für deutschen #AmericanFootball darstellt, bleiben wir auch weiterhin an dem Thema dran. Wir haben mit Jonas Hoffmann von den HSU Snipers über Hochschulfootball im Allgemeinen und die Besonderheiten des Bundeswehr-Hochschulfootballteams aus Hamburg gesprochen.

Bild: Timothee Kammies, Instagram: @_tvisuals_

Redzone: Hallo Jonas, die HSU Snipers sind schon seit langer Zeit ein wichtiger Teil des deutschen Hochschulfootballs. Könntest du kurz die Historie der Snipers wiedergeben?

Den Versuch, an der Helmut-Schmidt-Universität eine Footballmannschaft zu etablieren, gab es bereits in den 90er Jahren. Aufgrund unzureichender Teilnehmerzahl und anderer Faktoren musste das Projekt jedoch relativ schnell wieder eingestellt werden. Seit dem Jahre 2008 bestehen die HSU Snipers nun in ihrer heutigen Form und nehmen seitdem am UniBowl teil. Das Team besteht aus Studierenden der Universität, sowie deren Mitarbeiter. Organisatorisch übernehme ich als AG-Leiter gemeinsam mit meinem Stellvertreter, Felix Hilbich, alle Aufgaben von Relevanz in Form eines gesonderten Amtes. Spielerisch wird das Team von Stephan Starcke als Headcoach betreut, welcher unter Anderem für die deutsche Nationalmannschaft tätig ist. Alle übrigen Coaches-Posten werden von erfahrenen Spieler übernommen, die zuvor eine Lizenz erwerben.

RedZone: Letztes Jahr habt ihr neben dem UniBowl noch in einem Benefizspiel gespielt. Wollt ihr auch in den kommenden Jahren öfter als nur einmal jährlich beim Unibowl spielen?

Die AG-Leitungen vor mir hatten das Hauptaugenmerk immer auf dem Bowl und auf einem Trainingslager pro Jahr. In Gesprächen mit den Spielern habe ich heraushören können, dass bei vielen der Wunsch besteht, auch öfter auf dem Platz zu stehen. Seit der Übernahme des Amtes im vergangenen Sommer bin ich diesem Wunsch nun nachgekommen und habe versucht, die Saison für jeden einzelnen attraktiver zu machen. So hatten wir im Oktober des vergangenen Jahres ein Benefizspiel in Bonn, bei dem die Spieler nach der Sommerpause wieder auf den Platz zurückfinden konnten. Nach unserem Trainingslager im Frühling haben wir außerdem noch ein Testspiel gegen einen Alumni unserer Universität und sein Team durchgeführt. Im Anschluss an den UniBowl 2018 werden wir am 17. Juni dann noch ein Benefizspiel auf heimischem Rasen durchführen, das dann wiederum auch den Saisonabschluss bilden wird. Ich persönlich denke, dass das Pensum von drei bis vier Spielen ausreicht, um zu einen dem Wunsch der Spieler nachzukommen und zum anderen die nötige Praxis für den UniBowl zu erlangen und möchte das von mir erprobte Konzept deshalb auch in den kommenden Jahren so fortsetzen.

RedZone: Nehmen viele von euren Spielern neben dem Hochschulsport noch in anderen Footballteams am regulären Spielbetrieb teil?

Sofern es das Studium zulässt und die Spieler die nötige Liebe zum Sport und den essentiellen Ehrgeiz besitzen, engagieren sie sich neben den Snipers auch noch in zivilen Teams im Raum Hamburg. Hierbei erstreckt sich das Niveau von der Landesliga bis hin zur GFL.

RedZone: Kooperiert ihr mit einem Footballverein in der Umgebung?

Wir kooperieren bereits seit Jahren mit den Hamburg Pioneers, einem Drittligisten aus Hamburg selbst. Unser Headcoach Stephan Starcke ist ebenfalls Headcoach dort, wodurch eine Kooperation sozusagen unvermeidlich ist. Auch in Sachen Personal und Material greift man sich unter die Arme und erhält somit einen funktionierenden Trainings- und Spielbetrieb aufrecht.

RedZone: Die Snipers sind nicht das Footballteam einer gewöhnlichen Universität, sondern das Team der Bundeswehr-Universität. Gibt zwischen dem Sport und eurem zukünftigen Beruf Ähnlichkeiten bzw. ergeben sich Vorteile durch das Footballspielen?

Ich sehe im American Football einen enormen Mehrwert für unsere spätere Verwendung als militärischer Führer. Neben der Kameradschaft, die das gesamte Team in Form des Teamgeistes durchdringt, ist vor allem die körperliche Herausforderung, sowie das hierarchische System von besonderer Bedeutung. Als Soldaten sind wir dazu angehalten, uns körperlich fit zu halten, wozu das American Football Training definitiv beiträgt. Selbst eigentliche „Sportmuffel“ kommen auf ihre Kosten und halten sich sportlich fit, ohne dass dies zwangsweise im Vordergrund steht. Die vorherrschenden Strukturen, wie zum Beispiel die verschiedenen Units mit ihren Captains und Coaches, bilden im kleinen Rahmen die militärische Welt ab, in der man Verantwortung zu übernehmen, sich aber zeitweise ebenso unterzuordnen hat. Ebenso das Prinzip des „Befehl und Gehorsam“ findet hierbei Anwendung, da die Coaches auf dem Feld als eine Art informelle Vorgesetzte fungieren. Allgemein ist zu sagen, dass die verschieden gearteten Aufgaben innerhalb des Teams, aber auch innerhalb der Organisationsebene allesamt von Studierenden übernommen werden, die an ihnen wiederum wachsen und sich auf ihren späteren Dienst einstellen können, ohne dabei ins kalte Wasser geworfen zu werden.

RedZone: Was sind eure Ziele für die Zukunft der Snipers?

Das übergeordnete Ziel der Snipers ist es natürlich, den alljährlichen UniBowl zu gewinnen und somit den Pokal nach Hamburg zu holen, den es dann zu verteidigen gilt. Vorrangig sind aber die Schulung des Footballnachwuchses und der Erhalt, sowie der Ausbau der Footballstrukturen an unserer Universität von Bedeutung. Da wir an keinem Ligabetrieb teilnehmen können, steht hierbei vor allem auch das Ausleben von Kameradschaft und Sportsgeist im Vordergrund, um der Universität bei öffentlichen Veranstaltungen ein würdiger Repräsentant sein zu können.

RedZone: Wie bewertest du die aktuelle Situation des deutschen Hochschulfootballs und welche Zukunft bzw. Potenzial hat deiner Meinung nach der deutsche Hochschulfootball?

Meiner Meinung nach wohnt dem deutschen Hochschulfootball ein ungeahntes Potential inne. Im Allgemeinen sorgen Schulmannschaften bei Wettkämpfen für ein Zusammengehörigkeitsgefühl bei den übrigen Studierenden und lassen sie sich mit der Universität identifizieren. Darüber hinaus sind die finanziellen Mittel, die die meisten Universitäten ihrem Hochschulsport zur Verfügung stellen nicht zu unterschätzen und ermöglichen meist einen Trainings- und Spielbetrieb, der in der übrigen Footballwelt seines Gleichen sucht. Aktuell gestaltet sich das Bild des deutschen Hochschulfootballs allerdings recht öde. Nichtmal eine Handvoll Teams sind aktuell spielfähig, das sie mit enormen Nachwuchsproblemen oder auch Problemen mit ihrer Universität zu kämpfen haben. Die Aufrechterhaltung des UniBowls oder sogar die Implementierung einer Playoffphase vor dem Bowl gestalten sich dadurch äußerst schwierig. Ein Modell ähnlich dem in Österreich, wo sich der Hochschulfootball innerhalb weniger Jahre zu einem unglaublichen System entwickelt hat, wäre auch für Deutschland wünschenswert, da das Interesse für ein solches definitiv vorhanden wäre.

RedZone: Sprechen wir noch kurz über den UniBowl. Welchen Stellenwert hat für euch der UniBowl und wie könnte man ihn deiner Meinung nach verbessern?

Der UniBowl markiert für uns das Highlight des Jahres. Es ist das Event, auf das wir über ein halbes Jahr hinarbeiten und dessen Gewinn unser oberstes Ziel sein sollte und ist. Ohne einen geregelten Ligabetrieb gibt es kaum eine Möglichkeit, sich zu beweisen, weshalb der Bowl für uns stets Priorität Nummer Eins ist. Den Bowl könnte man lediglich durch das Hinzuziehen mehrerer Teams attraktiver machen, wobei dann auch das Format überdacht werden müsste, da sich an einem Wochenende nur eine gewissen Anzahl von Spielen realisieren lässt. Hier wäre dann über eine Art Ligabetrieb nachzudenken, der sich über den Winter erstreckt und im UniBowl seinen Höhepunkt findet. Der vormals bereits angesprochene Mangel an Teams lässt diese Vorstellung allerdings illusorisch wirken und macht sie zu einem reinen Gedanken-Konstrukt.

RedZone: Nun seid ihr ja nicht die einzige Universität der Bundeswehr, es gibt ja auch noch eine Uni in München. Gibt es Bestrebungen den Football auch dort zu etablieren? Ein Spiel Hamburg vs. München wäre doch sicherlich auch reizvoll.

Über eben eine solche Etablierung habe ich bereits nachgedacht und mich auch einmal auf die Suche nach einem möglichen Verantwortlichen an unserer Schwester-Universität gemacht. Zwar gibt es dort eine Menge Soldaten, die im Raum München Football spielen, jedoch würde es diesen Spielern am nötigen Know-How mangeln. Die Position des Headcoaches beispielsweise lässt sich gemäß ihrer Aussagen nur schwer besetzten, da es im Süden anscheinend keinen Coach gibt, der sich dazu berufen fühlt, ohne direkt ein horrendes Honorar zu verlangen. Auch müssten an der Universität selbst zunächst einmal Abfragen durchgeführt werden, inwieweit die Mittel zu Verfügung stehen, ein solches Team aus dem Boden zu stampfen. So muss beispielsweise für eine grundlegende Ausstattung gesorgt werden, die einen Trainingsbetrieb überhaupt erst möglich macht. Ich persönlich würde einen Wettstreit mit der Universität in München natürlich herzlich begrüßen, da er ein weiteres Highlight innerhalb des Jahres markieren würde und den nötigen Ehrgeiz bei den Spielern hervorrufen würde. Denn wer würde es sich schon nehmen lassen wollen, um den Titel des besseren Football-Teams zu kämpfen? So bleiben wir das einzige American Football Team der Bundeswehr, was uns wiederum als einzigartig dastehen und uns eine besondere Bedeutung zukommen lässt.

RedZone: Danke Jonas, dass du dir für das Interview Zeit genommen hast.

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